Pfarrkirche Bisamberg

Pfarrkirche Bisamberg

Das Gotteshaus St. Johann in Bisamberg soll im Jahre 1294 auf Kosten der Gemeinde und der Gutsbesitzer erbaut und gestiftet worden sein.
Bereits 1203 wird außer dem Freihof und der herrschaftlichen Burg auch eine Burgkapelle erwähnt, die als romanischer Kern der heutigen Pfarrkirche angesehen wird. Dieser romanische Kern, gebaut vor 1203, besteht aus einem 6,65 x 11,60 m großen, dreijochigen Langhaus und hatte eine Flachdecke. Im Anschluß an das Langhaus befand sich ein 4,35m breites Chorquadrat, welches als Altarraum diente. Dieses wurde später durch einen spätgotischen Chorraum mit Netzgewölbe und Spitzbogenfenster erweitert. Daß es sich tatsächlich um einen Zubau an das Chorquadrat handelt, ist an den vermauerten romanischen Rundbogenfenstern an der Südseite des Langhauses, wie auch aus erhaltenen Resten eines Quadermauerwerkes der stärkeren romanischen Außenmauern im gotischen Chorquadrat zu erkennen. Im 17. Jhdt. erhielt das Langhaus ein Tonnengewölbe mit Gurten und Stichkappen. 1736 bis 1737 entstand die barocke Westfassade mit dem heutigen Kuppelturm, der mit Knauf und Kreuz gekrönt ist. Der gotische Turm wurde abgetragen. Später erfuhr die Kirche eine Erweiterung durch den Sakristeianbau. 1906 erhielt der Turm eine Uhr.
Die Kirche ist dem Hl. Johannes dem Täufer geweiht. Im Zweiten Weltkrieg erlitt die Kirche große Schäden, die allmählich behoben wurde.
Im Zuge der Kirchenrenovierung von 1956/57 kam anstelle der Herz-Jesu-Statue das wuchtige gefaßte Altarbild der Spitalskapelle auf den Hochaltar der Pfarrkirche. Es ist eine Darstellung der Heiligen Familie. Darüber befinden sich die gräflichen Wappen der Familien Strattmann und Traun, beide umrahmt mit einem von Engeln getragenen vergoldeten und versilberten Rahmen. Diese Kombination von Gold und Silber im selben Rahmen wurde nur noch ein zweites Mal in ganz Niederösterreich gefunden. Das Bild soll ein Werk des Steyrer Meisters Jakob Pokorny aus der Zeit um 1690 sein.
Außer dem Hauptaltar befinden sich in der Kirche zwei Seitenaltäre, deren Bilder im Jahre 1821 von einem gewissen Johann Höfler gemalt wurden. Bemerkenswert ist auch eine barocke, polychromierte Holzfigur des Hl. Michael. Über der Sakristei liegt das gräfliche Oratorium. An der linken Kirchenwand, nahe dem Eingang sind zwei Marmortafeln angebracht. Es sind dies die Grabtafeln von Gräfin Anna Theresia von Abensperg und Traun, geborene Sizendorf (gest. 1771) und ihres Gemahls, Graf Johann Adam Josef Abensperg und Traun (gest. 1786). Die gräfliche Gruft liegt unter dem Presbyterium. Diese Gruft wurde 1978 anläßlich der Kirchenrenovierung geöffnet. Der Zugang liegt im Kirchenschiff und war mit beschrifteten Steinplatten abgedeckt. Die Platten befinden sich nun an der Außenwand der Kirche.

Literaturhinweis: Rudolf MAIER, "Marktgemeinde Bisamberg"
Herausgeber: Marktgemeinde Bisamberg 1982